Schallschutz: Nachweis und Prognose
Zwei Fragen, die regelmäßig verwechselt werden. Der Nachweis zeigt, dass ein Bauteil ausreichend gegen Schall aus dem Nachbarraum schützt. Die Prognose sagt, wie laut es an einem Ort künftig sein wird. Sie folgen verschiedenen Regelwerken, brauchen verschiedene Eingangsdaten und beantworten verschiedene Fragen.
Was den Unterschied ausmacht
Der Nachweis rechnet nach innen: Trennfläche, Raumvolumen, flankierende Bauteile. Die Prognose rechnet nach außen: Quelle, Ausbreitung, Abschirmung durch Gebäude und Gelände.
Der Nachweis
Maßgeblich ist die DIN 4109, Schallschutz im Hochbau. Gerechnet wird mit Bauteilkennwerten und mit Geometrie: der Trennfläche zwischen den betrachteten Räumen, dem Volumen des Empfangsraums, den Öffnungen und den flankierenden Bauteilen mit ihren Anschlüssen.
Im Neubau fallen diese Größen aus dem Planungsmodell. Im Bestand gibt es dieses Modell nicht, und die Bauakte hält den Zustand der Bauzeit fest, nicht den nach vierzig Jahren Umbau. Aus einer Aufnahme lassen sich die Maße dagegen ablesen, statt sie aus alten Plänen zu übernehmen.
Was eine Aufnahme nicht liefert, ist der Bauteilaufbau. Ob eine Wand aus 24 cm Mauerwerk oder aus zwei Gipskartonlagen besteht, sieht kein Scanner. Diese Angabe kommt aus der Bauakte, aus einer Bauteilöffnung oder aus einer Messung vor Ort — und ohne sie trägt kein Nachweis.
Die Prognose
Hier geht es um Schall von außen: Verkehr, Gewerbe, Anlagen. Gerechnet wird über die Ausbreitung von der Quelle zum Immissionsort, und abgeschirmt wird durch das, was dazwischensteht — Gebäude, Wälle, Geländekanten.
Deshalb braucht eine Prognose dieselbe Grundlage wie eine Standortbetrachtung: Kubaturen der Umgebung, Geländehöhen, Orientierung. Fehlt sie, wird geschätzt, und die Abschirmung ist genau der Teil, an dem eine Schätzung das Ergebnis kippt.
Woher die Daten kommen
Aus derselben Aufnahme, aus der Grundrisse, Raumbuch und Bestandsmodell entstehen. Lichte Höhen, Raumflächen und Öffnungsmaße stehen im Raumbuch ohnehin; für die Nachweisrechnung braucht es sie nur in der richtigen Struktur. Die Umgebung für die Prognose kommt aus Drohnenvermessung und Geländemodell.
Weiterführend
- Raumbuch – Flächen, Höhen und Öffnungen je Raum
- Flächenermittlung – die Flächen, mit denen gerechnet wird
- Scan-to-BIM – das Bestandsmodell mit Bauteilen
- Standortanalyse – dieselbe Umgebung, andere Frage
- DGNB-Beratung – wo der Schallschutz in die Zertifizierung eingeht