Fallstudie Lärm-Voranalyse Fürstenfeldbruck

Julius Schaller · 3 Min. Lesezeit

Fallstudie Lärm-Voranalyse · Wohnprojekt in Fürstenfeldbruck

Wo der Verkehrslärm ankommt, Fassade für Fassade

Bei einem Wohnprojekt in Fürstenfeldbruck an einer Hauptverkehrsstraße haben wir den Verkehrslärmpegel simuliert, getrennt für Fassade, Freifläche und Dach. Das Ergebnis liegt vor dem Entwurf vor und zeigt, welche Gebäudeseiten Wohnräume tragen können und wo der Schallschutz wirklich gebraucht wird.

Die Eckdaten

Ganztagswert, getrennt ausgewertet für Fassade, Freifläche und Dach

47 %der Fassadenfläche liegen über 65 dB(A)
17 %bleiben unter 55 dB(A), überwiegend zum Hof
82 %der Freifläche liegen über 65 dB(A)

Ausgangslage: an der Hauptstraße entscheidet der Lärm über den Grundriss

Das Vorhaben liegt unmittelbar an einer Hauptverkehrsstraße. Lärm wirkt dort auf zwei Dinge, die den Entwurf unmittelbar betreffen: auf die Wohnqualität und auf die Kosten. Wo Aufenthaltsräume zur lauten Seite liegen, braucht es bessere Fenster und meist eine zusätzliche Lüftung, und beides kostet Geld und je nach Lösung auch Wohnfläche. Welche Gebäudeseiten wie stark betroffen sind, lässt sich am Grundriss nicht ablesen. Wo Schallschutz am günstigsten wirkt, sollte deshalb vor dem Entwurf feststehen und nicht danach.

Simulation des Verkehrslärms an einem Wohnprojekt an der Hauptstraße, Pegel farbig auf Fassaden und Dächern
Verkehrslärm als Ganztagswert. Rot steht für über 65 dB(A), Gelb für 55 bis 65 dB(A), Grün für unter 55 dB(A).

Warum die amtliche Lärmkarte dafür nicht reicht

Die Lärmkartierung nach EU-Umgebungslärmrichtlinie sagt, wie laut ein Grundstück im Mittel ist. Sie liegt als grobes Raster vor. Die Simulation sagt, wie laut jede einzelne Fassade ist, Geschoss für Geschoss, und wie sich das ändert, wenn der Entwurf sich ändert. Dafür braucht sie das echte Gebäude im echten Gelände samt Nachbarbebauung, denn die Nachbarn schirmen ab und reflektieren zugleich.

Ergebnis: der Pegel verteilt sich von der Straße her

Die Simulation rechnet getrennt für Fassade, Freifläche und Dach. Erst diese Trennung macht sichtbar, dass die Belastung fast vollständig von der Straßenseite aufgebaut wird.

Flächeunter 55 dB(A)55 bis 65 dB(A)über 65 dB(A)
Fassade17 %37 %47 %
Freifläche0 %18 %82 %
Dach22 %66 %13 %

Zwei Dinge folgen daraus. Erstens liegt fast die Hälfte der Fassadenfläche über 65 dB(A), aber eben nur die Hälfte: Die abgewandte Seite und der Innenhof bleiben unter 55 dB(A). Damit steht fest, wo Schlafräume und Aufenthaltsräume hingehören, ohne dass jede Fassade teurer aufgerüstet werden muss. Zweitens ist die Freifläche mit 82 Prozent über 65 dB(A) der kritischste Bereich überhaupt. Für einen Außenwohnbereich, in dem sich jemand gern aufhält, ist die Lage im Blockinneren damit keine Geschmacksfrage mehr, sondern eine Vorgabe aus den Daten.

Lärmsimulation von der Straße gesehen: die zugewandten Fassaden durchgehend im roten Pegelbereich
Von der Straße gesehen: Die zugewandten Fassaden liegen durchgehend im roten Bereich.
Draufsicht der Lärmsimulation: außen an der Straße rot, zum Innenhof hin grün
In der Draufsicht wird der Übergang sichtbar: außen rot, zum Hof hin grün.

Einordnung: was damit nachgewiesen ist und was nicht

Die Lärm-Voranalyse ersetzt kein Schallgutachten eines Fachplaners. Sie rechnet auf der Gebäudegeometrie und beantwortet Entwurfsfragen, solange der Entwurf noch veränderbar ist. Was sie leistet: Wird später ein Gutachten erstellt, findet der Fachplaner ein durchdachtes Konzept vor und fängt nicht bei null an. Steht die Kubatur bereits fest, bringt die Voranalyse wenig.

Grundlage und Lieferumfang

  • Georeferenziertes 3D-Modell aus Aufmaß, Laserscan und Drohne mit Gebäude, Gelände und Nachbarbebauung
  • Öffentliche Lärmkartierung mit LDEN und LNight sowie Straßendaten zu Verlauf und zulässiger Geschwindigkeit
  • Farbcodierte Pegelkarten für Fassade, Freifläche und Dach, je Entwurfsvariante
  • Hinweise zur Grundriss-Zonierung und zum Schallschutzkonzept
  • Unterlagen und Modell als Grundlage für das Schallgutachten

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