As-Built-Vergleich: gebauter Zustand gegen Planung
Gebaut wird selten genau so, wie geplant wurde. Interessant ist nicht, dass abgewichen wurde, sondern wo und wie weit — und ob es eine Rolle spielt. Der As-Built-Vergleich beantwortet das an Zahlen statt an Eindrücken.
Wie eine Abweichung aussieht
Der Abgleich ist ein Bild, kein Text: Planungsmodell und Aufnahme übereinander, die Abweichung farbig, daneben die Toleranz, gegen die gemessen wurde.

Wie der Abgleich funktioniert
Der gebaute Zustand wird aufgenommen und gegen das Planungsmodell gelegt. Beides muss im selben Bezugssystem liegen, sonst vergleicht man zwei Koordinatensysteme statt zwei Bauzustände. Das Ergebnis ist eine Abweichung je Bauteil, nicht ein Gesamturteil.
- Soll-Ist-Abgleich: Planungsmodell gegen gebauten Zustand
- Abweichungsbericht je Bauteil
- Nachweis für Abnahme und Nachträge
Was eine Abweichung bedeutet
Eine Zahl allein entscheidet nichts. Ob 2 cm an einer Wand ein Mangel sind, hängt an der Toleranz, die für dieses Bauteil gilt, und an dem, was daran anschließt. Deshalb gehört zum Bericht die Angabe, gegen welche Toleranz gemessen wurde — und deshalb wird sie vor der Aufnahme vereinbart und nicht danach diskutiert.
Der übliche Maßstab dafür ist die DIN 18202, solange das Projekt keine strengeren Vorgaben macht. Ihre Grenzwerte wachsen mit der Bezugslänge: Was auf einem Meter unzulässig ist, kann über zehn Meter normal sein.
Wann der Anlass entsteht
- Vor der Abnahme, wenn der gebaute Zustand nachzuweisen ist
- Bei strittigen Nachträgen
- Vor dem Einbau vorgefertigter Bauteile, die nur in eine maßhaltige Öffnung passen
- Bei der Übergabe an den Betrieb, wenn das Bestandsmodell den gebauten Zustand abbilden soll
Der letzte Fall ist der unterschätzte: Ein Planungsmodell, das als Bestandsmodell übergeben wird, beschreibt einen Zustand, den es so nie gab.
Weiterführend
- Baufortschrittsdokumentation – die Aufnahmen, aus denen verglichen wird
- Scan-to-BIM – wie aus der Aufnahme ein Modell wird
- BIM-Koordination – das Modell im Projektzusammenhang
- Technologie – welches Verfahren auf der Baustelle passt
- LOD 200, 250 und 300 – in welchem Detailgrad verglichen wird
- DIN 18202 – gegen welche Toleranzen geprüft wird
- DGNB-Audit aus einer Hand – warum derselbe Nachweis auch für die Zertifizierung zählt