Die Grundlage für Planung im denkmalgeschützten Bestand

Verformungsgerechtes Aufmaß historischer Gebäude

Erfasst per 3D-Laserscanning, ausgewertet von Bauzeichnern, die Punktwolken lesen und das historische Bauhandwerk kennen. Als 2D-Plan oder 3D-Modell.

Das Bauwerk, wie es ist. Nicht, wie es sein sollte.

Ein verformungsgerechtes Aufmaß bildet ein Bauwerk so ab, wie es tatsächlich ist: mit geneigten Wänden, durchgebogenen Decken, gestauchten Stürzen und allen Unregelmäßigkeiten, die ein historisches Gebäude über Jahrhunderte angesammelt hat. Nichts wird begradigt, nichts idealisiert. In der Denkmalpflege entspricht das den Genauigkeitsstufen III und IV der Empfehlungen für Baudokumentationen, übliche Maßstäbe sind 1:50 und 1:25.

Die Erfassung per 3D-Laserscanning ist dabei immer verformungsgerecht. Der Scanner tastet ganze Oberflächen mit Punktabständen von wenigen Millimetern ab und zeigt jede Abweichung, ob man will oder nicht. Die eigentliche Leistung beginnt danach: beim Zeichnen und Modellieren. Ein gewöhnlicher Bestandsplan abstrahiert die Punktwolke zu geraden Wänden und rechten Winkeln. Ein verformungsgerechter Plan überträgt die tatsächliche Geometrie in die Zeichnung. Verformungsgerecht ist eine Eigenschaft der Auswertung, nicht des Scanners.

Metrika360 liefert beides aus einer Hand: die Aufnahme vor Ort und die verformungsgerechte Auswertung durch Bauzeichner, die sich mit Punktwolken und dem historischen Bauhandwerk auskennen.

Laserscanner auf dem Stativ vor der Kirche St. Martin, der Turm im Gegenlicht dahinter.

Drei Stufen, drei Aufwände, drei Zwecke

Stufe 1: Die Punktwolke

Immer verformungsgerecht und sofort verfügbar. Sie dokumentiert den Zustand zum Aufnahmetag, ermöglicht virtuelle Begehungen und dient als Referenz für alle weiteren Auswertungen. Da die Aufnahme des gesamten Gebäudes vorliegt, lassen sich spätere Pläne daraus nachliefern, ohne dass jemand erneut anfährt.

Stufe 2: Der verformungsgerechte 2D-Plan

Grundrisse, Schnitte und Ansichten, in denen die tatsächliche Geometrie gezeichnet ist. Die Punktwolke dient dabei als Schablone. Das ist der Standard der Denkmalpflege und die Grundlage für Genehmigung, Förderanträge und Restaurierungsplanung.

Stufe 3: Das verformungsgerechte 3D-Modell

Die aufwendigste Form. BIM-Software wie Revit oder ArchiCAD ist auf Regelgeometrie gebaut: lotrechte Wände, ebene Decken, Bauteile aus der Bibliothek. Ein historischer Dachstuhl besteht aber aus Unikaten. Jeder Sparren hat seine eigene Krümmung, kein Anschluss gleicht dem anderen. Solche Konstruktionen modellieren wir deshalb in Rhino, wo jede Freiform einzeln an der Punktwolke aufgebaut wird. Das Ergebnis trägt Statik, Werkplanung und Restaurierung.

Der Aufwand von Stufe 3 liegt ein Mehrfaches über einem Regelmodell, weil es keine Wiederholung gibt: jedes Bauteil wird einzeln nachgebaut. Deshalb empfehlen wir das Modell nur dort, wo ein nachgelagerter Zweck es verlangt, und kombinieren sonst: Dachstuhl als Modell, Rest des Gebäudes als 2D-Plan, Punktwolke als Referenz über allem. Welche Stufe für welchen Gebäudeteil sinnvoll ist, legen wir vor dem Angebot fest.

Kirchenschiff isometrisch: die Punktwolke farbig nach Hoehe, darueber die gezeichneten CAD-Kanten.

Was in den Plan gehört, bestimmt der Zweck

Wie viel ein verformungsgerechter Plan zeigt, wird vor dem Angebot vereinbart, denn der Detailgrad ist der größte Aufwandstreiber. Je nach Genauigkeitsstufe und Verwendungszweck enthalten die Pläne:

  • Detaillierte Darstellung des Tragwerks
  • Zierelemente an den Fassaden
  • Holzverbindungen wie Zapfen und Blätter
  • Historische Türzargen
  • Steinfugen und Streifnuten
  • Beschlaglöcher
  • Zimmermanns- und Steinmetzzeichen

Für die Restaurierungsplanung gehören die Zimmermannszeichen in den Plan. Für einen Fördermittelantrag genügt oft die Stufe darunter. Der Unterschied entscheidet über Wochen an Zeichenarbeit, deshalb stellen wir die Frage nach dem Zweck vor der Frage nach dem Preis.

Dachwerk als Modell mit abgenommener Dachhaut: jeder Sparren, Kehlbalken und Stuhl einzeln erfasst.

Vier Gruppen, vier Gründe

Architekten und Planer in der Denkmalpflege. Genehmigungsplanung am Baudenkmal geht ohne verformungsgerechte Grundlage nicht durch die Behörde, und Fördermittel hängen an der Dokumentationsqualität.

Tragwerksplaner. Die Standsicherheitsbewertung einer historischen Konstruktion hängt an der tatsächlichen Geometrie. Durchbiegung, Schiefstellung und Querschnittsschwächung stehen nur im verformungsgerechten Aufmaß, im begradigten Plan sind sie unsichtbar.

Zimmerer- und Restaurierungsbetriebe. Ersatzbauteile werden am Bestand gefertigt. Ein Sparren wird gegen die gemessene Krümmung abgebunden, nicht gegen eine Idealisierung.

Kirchenverwaltungen, Stiftungen und öffentliche Bauherren. Die Dokumentationspflicht am Baudenkmal ist dauerhaft. Die Punktwolke hält den Zustand zum Stichtag fest, auch für Schadensfälle, Versicherungsfragen und spätere Bauphasen.

Denkmalfassade in Backsteingotik: Blendarkaden, Masswerk und Gesimse im Bestand.

Nicht jedes alte Gebäude braucht ein verformungsgerechtes Aufmaß

Für den gewöhnlichen Umbau im nicht geschützten Bestand reicht ein normaler Bestandsplan, und der ist deutlich wirtschaftlicher. Auch am Denkmal muss nicht jedes Geschoss in Stufe IV gezeichnet werden: Häufig ist die Kombination die richtige Antwort, etwa der Dachstuhl verformungsgerecht und die Geschosse darunter als Regelzeichnung. Wenn Sie unsicher sind, welche Stufe Ihr Vorhaben verlangt, ist das die erste Frage, die wir gemeinsam mit Ihrem Planer oder der Denkmalbehörde klären.

Speichergebaeude aus Backstein mit regelmaessiger Lochfassade — ein Bestand ohne Verformung.

Kirchturm, Dachflächen, unzugängliche Bereiche

Hohe Türme, Dachflächen und verbaute Rückseiten erreicht der Scanner vom Boden aus nicht vollständig. Dort ergänzen wir photogrammetrisch per Drohne: Aus überlappenden Bildern entsteht eine Punktwolke, die mit den Laserscans am selben Kontrollnetz zusammengeführt wird. Das Ergebnis ist ein vollständiges Abbild des Bauwerks vom Fundament bis zur Turmspitze, aus einem Guss und in einem Koordinatensystem.

Kirchturm aus der Luft, darunter die Daecher der Altstadt: Flaechen, an die vom Boden aus niemand kommt.

Weiterführend

Häufige Fragen zum verformungsgerechten Aufmaß

Was bedeutet verformungsgerecht?

Der Plan zeigt das Bauwerk, wie es ist, nicht wie es sein sollte: geneigte Wände geneigt, durchgebogene Decken durchgebogen. In der Denkmalpflege entspricht das den Genauigkeitsstufen III und IV, übliche Maßstäbe sind 1:50 und 1:25.

Ist nicht jedes Laserscan-Aufmaß automatisch verformungsgerecht?

Die Punktwolke ja, der Plan nein. Beim Zeichnen entscheidet sich, ob die tatsächliche Geometrie übertragen oder zu geraden Wänden und rechten Winkeln abstrahiert wird. Verformungsgerecht ist eine Eigenschaft der Auswertung, nicht des Scanners.

Wann brauche ich ein verformungsgerechtes Aufmaß, und wann nicht?

Gebraucht wird es am Baudenkmal, bei der Standsicherheitsbewertung historischer Konstruktionen und in der Restaurierung. Für den gewöhnlichen Umbau im nicht geschützten Bestand reicht ein normaler Bestandsplan, der deutlich wirtschaftlicher ist.

Was kostet es im Vergleich zum normalen Aufmaß?

Die Aufnahme kostet ungefähr dasselbe, die Auswertung deutlich mehr, weil nichts aus Bibliotheken oder Wiederholungen kommt. Der Faktor hängt am Detailgrad: Ob Steinfugen, Zimmermannszeichen und Beschlaglöcher einzuzeichnen sind, entscheidet über den Aufwand. Deshalb legen wir Genauigkeitsstufe und Detailumfang vor dem Angebot fest.

2D-Plan oder 3D-Modell?

Das Modell nur, wenn ein nachgelagerter Zweck es verlangt: Statik, Werkplanung, komplexe Dachwerke. Sonst 2D-Pläne plus Punktwolke. Ein verformungsgerechtes 3D-Modell entsteht bei uns in Rhino, weil BIM-Software auf Regelgeometrie ausgelegt ist und historische Bauteile Unikate sind.

Können auch nur Teilbereiche verformungsgerecht ausgewertet werden?

Ja, das ist der häufigste Fall: der Dachstuhl verformungsgerecht als Modell, die Geschosse darunter als normale Bestandspläne, die Punktwolke des ganzen Gebäudes als Referenz. Da die Aufnahme vollständig vorliegt, lassen sich weitere Bereiche später nachziehen, ohne neuen Termin vor Ort.

Ein Denkmal, ein Dachwerk, ein Turm?

Projekt besprechen

Schicken Sie uns Fotos und die Frage, die Ihr Planer oder Ihre Behörde stellt. Sie bekommen eine Einschätzung, welche Genauigkeitsstufe Ihr Vorhaben verlangt und was das für Aufnahme und Auswertung bedeutet, bevor jemand anfährt.

Würzburg Bürostandort
Andreas-Bauer-Straße 11, 97297 Waldbüttelbrunn
Bayreuth Bürostandort
Itzgrund 12, 95512 Neudrossenfeld
Mainz Außenstandort
Moselstraße 7, 55118 Mainz
München Außenstandort
Waisenhausstraße 2, 80637 München
Berlin Außenstandort
Duisburger Straße 15, 10707 Berlin
Dortmund Außenstandort
Wulfshofstraße 18, 44149 Dortmund
E-Mail schreiben