Fallstudie Dachtragwerk Berlin

Julius Schaller · 4 Min. Lesezeit

Der Case

Jeder Balken einzeln modelliert: Bestandsmodell für die Sanierung eines historischen Dachstuhls

Für einen öffentlichen Auftraggeber in Berlin hat Metrika360 den Dachstuhl eines Schulgebäudes mit 3D-Laserscanning erfasst und als 3D-Bestandsmodell übergeben. Das Modell ist die Grundlage für die Sanierung und die statische Ertüchtigung des Tragwerks.

Das Besondere: Jeder Balken steht im Modell so, wie er gemessen wurde, mit seinem tatsächlichen Querschnitt und seiner tatsächlichen Lage.

Gesamtansicht des Bestandsmodells eines historischen Dachtragwerks in Berlin, Dachhaut ausgeblendet
Gesamtansicht des Dachtragwerks, Dachhaut ausgeblendet. Jeder sichtbare Balken ist ein eigenes Bauteil im Modell.
Bestandsmodell des Schulgebäudes mit Dachflächen, Gauben und Fenstern

Die Herausforderung

Den tatsächlichen Zustand abbilden, keine idealisierte Konstruktion

Das Dachtragwerk soll saniert werden, Teile der Holzkonstruktion werden ertüchtigt. Für die statische Bewertung und die Ausführungsplanung braucht der Auftraggeber den tatsächlichen Zustand der Konstruktion. Gefragt war ein Modell, das Querschnitte, Lage und Verformung der vorhandenen Balken abbildet.

Genau das macht einen historischen Dachstuhl anspruchsvoll: Die Balken sind von Hand bearbeitet, im Querschnitt unterschiedlich, verzogen und nicht lotrecht. Jede Verbindung ist ein Einzelfall.

Der Umfang wurde vor Projektstart klar festgelegt: Modelliert werden ausschließlich die alten Bestandsbalken. Die provisorischen Holzkonstruktionen, die noch nicht ertüchtigte Balken abstützen, bleiben außen vor, weil sie im Zuge der Sanierung zurückgebaut werden.

Achsansicht des Dachtragwerks mit Schiefstellungen und Verformungen der Bestandsbalken
Achsansicht Nord. Schiefstellungen und Verformungen bleiben im Modell erhalten.

Die Lösung

Laserscanning an einem Tag, Modellierung Balken für Balken

Wir haben das Projekt in vier Schritten umgesetzt:

  1. Aufnahme an einem Tag

    Terrestrisches Laserscanning mit rund 75 Standpunkten im Dachraum, zwei davon auf dem Dach.

  2. Registrierung

    Zusammenführung zur Gesamtpunktwolke, dazu eine virtuelle Begehung für alle Beteiligten.

  3. Modellierung

    Tragwerk in Rhino, übriges Gebäude in Revit, beides in einer Datei zusammengeführt.

  4. Qualitätssicherung

    Prüfschleifen mit BCF-Protokoll, Querschnitte an der Punktwolke nachgeschärft, dann Übergabe.

Punktwolke des Dachtragwerks aus dem terrestrischen Laserscanning
Die registrierte Gesamtpunktwolke des Dachraums.

Warum zwei Programme?

Revit arbeitet mit parametrischen Bauteilfamilien: Ein Träger bekommt einen Querschnitt, eine Länge und eine Achse und lässt sich beliebig oft wiederholen. Das macht Wände, Decken, Öffnungen, Treppen und Dachflächen schnell und sauber. Diese Logik setzt aber voraus, dass Bauteile gleich sind, und ein historischer Dachstuhl ist das nicht.

In Rhino entsteht deshalb jeder Balken als eigener Volumenkörper, direkt an der Punktwolke aufgebaut. Die fertige Tragwerksgeometrie wird anschließend in Revit eingebunden und fest verankert. So öffnet der Auftraggeber am Ende eine Datei und nicht zwei.

Nahaufnahme des Modells mit Sparren, Streben und Aussteifungen sowie Wänden aus Revit
Tragwerk aus Rhino und Gebäude aus Revit in einem Modell.

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Vorteile in diesem Projekt

  • Realer Zustand statt Idealgeometrie: Querschnitte, Schiefstellungen und Verformungen der Balken sind im Modell erhalten und stehen für die statische Bewertung zur Verfügung.
  • Kurze Zeit vor Ort: Die gesamte Aufnahme war an einem Tag abgeschlossen.
  • Eine Datei für alle: Tragwerk und Gebäude liegen in einem nativen Revit-Modell, ohne dass der Auftraggeber zwischen Programmen wechseln muss.
  • Klarer Umfang: Provisorische Stützkonstruktionen wurden bewusst ausgelassen. Das Modell zeigt nur, was nach der Sanierung bleibt.
  • Nachvollziehbare Qualität: Prüfschleifen mit BCF-Protokoll dokumentieren jede Korrektur bis zur Übergabe.

Ergebnis: Ein belastbares Bestandsmodell als Grundlage für die Sanierung

Der Auftraggeber hat ein natives Revit-Modell erhalten, in dem jeder Bestandsbalken einzeln als Volumenkörper enthalten ist, dazu Wände, Fenster, Türen, Dachflächen, Treppen und Galerien. Ergänzend steht die virtuelle Begehung der Punktwolke zur Verfügung.

Der Aufwand dahinter ist bewusst hoch: Im Regelfall wird ein Bauteil einmal definiert und dann vervielfältigt. Hier fällt dieser Schritt weg, denn kein Balken gleicht dem nächsten. Die Aufnahme dauerte einen Tag, Modellierung und Qualitätssicherung über einen Monat.

Projektdaten

MerkmalAngabe
ObjektDachtragwerk eines Schulgebäudes in Berlin, rund 1.200 m² Bruttogrundfläche
AuftraggeberÖffentlicher Auftraggeber in Berlin, Facility Management und Bauunterhaltung
AnlassSanierung und statische Ertüchtigung des Dachtragwerks
Aufnahme8. Januar 2026, ein Aufnahmetag, terrestrisches Laserscanning mit Faro Focus X130
ModellierungTragwerk in Rhinoceros 3D, Gebäude in Autodesk Revit, Übergabe im April 2026
ModellumfangBestandsbalken einzeln als Volumenkörper, dazu Wände, Fenster, Türen, Dachflächen, Treppen und Galerien; provisorische Stützkonstruktionen nicht enthalten
LieferungNatives Revit-Modell in einer Datei, dazu virtuelle Begehung der Punktwolke
Schnittperspektive durch den Dachraum mit Geschossdecke
Schnittperspektive durch den Dachraum mit Geschossdecke.

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