Fallstudie Schlosspark

Julius Schaller · 6 Min. Lesezeit

Der Case · Gartendenkmalpflege, Außenraum

Rund 29 Hektar historischer Landschaftspark: die Vermessungsgrundlage für ein Parkpflegewerk

Ein Landesbetrieb in Hessen lässt für einen historischen Schlosspark des 19. Jahrhunderts ein Parkpflegewerk erstellen. Das beauftragte Landschaftsarchitekturbüro brauchte dafür eine vollständige, georeferenzierte Bestandsgrundlage in 3D.

Metrika360 hat sie geliefert, mit Hilfe von GNSS-Rovern, Mobile Mapping und Drohne: vom Festpunktnetz über das Geländemodell bis zu 17 Geländeschnitten entlang der Bachläufe.

Vermesserin von Metrika360 mit RTK-GNSS-Empfänger an einem Wehr im Bachlauf eines historischen Schlossparks
Aufnahme am Wehr: Messung mit RTK-GNSS direkt im Bachlauf.

Das Projekt in Zahlen

29 ha Parkfläche, großteils bewaldet
6 + 2 Teiche und Fließgewässer mit Wehren und Brücken
17 Bachprofile und Geländeschnitte
1:500 Gesamtplan, Details in 1:250 und 1:50
0,5 m Höhenlinien auf den Wiesenflächen, sonst 1 m

Die Herausforderung

Ein Park ohne belastbaren Plan

Als Grundlage existierten nur ein historischer Plan, der weder vollständig noch lagerichtig war, und eine Lageskizze auf einem Luftbild. Für das Parkpflegewerk und die anschließende Planung von Wiederherstellungsmaßnahmen, inklusive Massenermittlung, brauchte das Planungsbüro dagegen exakte Maße mit Lage- und Höhenbezug.

Gefordert waren ein Lage- und Höhenfestpunktnetz, die topographische Aufnahme aller planungsrelevanten Objekte von der Wegekante bis zur Balustrade, ein Gesamtplan 1:500 mit Detailplänen, ein digitales Geländemodell mit Höhenlinien und Bachprofile, geliefert als PDF und als dreidimensionale DWG.

Gesamtplan eines historischen Schlossparks mit Wegenetz, Gehölzbereichen, Teichen, Bachläufen und Einzelbäumen
Gesamtplan der Anlage: Wegenetz, Gehölzbereiche, Teiche und Bachläufe, Einzelbäume und Kataster in einer georeferenzierten DWG.

Warum ein einzelnes Verfahren hier nicht reicht

  • Kronendach statt freier Sicht: Wege und Bäche sind von Bäumen und Hecken flankiert. Eine reine Drohnenbefliegung war in der Ausschreibung ausdrücklich ausgeschlossen, und der GNSS-Empfang bricht auf den Waldwegen immer wieder ab.
  • Bewuchs auf den Bauteilen: Efeu auf Balustraden, niedrige Hecken an Beetkanten, historische Wegekanten aus Bruchstein unter der Grasnarbe. Vieles wird erst in der laubfreien Zeit sichtbar.
  • Feine Bodenmodellierungen: Die gartenkünstlerischen Tälchen und Aufwölbungen des 19. Jahrhunderts laufen sanft aus und haben keine klare Begrenzung. Trotzdem müssen sie im Geländemodell nachvollziehbar werden.
  • Wasser und Brücken: zwei Fließgewässer mit Uferfassungen, Wehren, Wasserstürzen und mindestens sechs Brücken. Unter den Brücken ist die Punktdichte naturgemäß gering.
  • Maßstab und Datenmenge: Der Gesamtplan 1:500 passt nicht auf ein A0-Blatt. Die Planer brauchen trotzdem einen zusammenhängenden Plan statt eines Inselplans, und 0,5-m-Höhenlinien nur dort, wo sie Sinn ergeben.
  • Fach-CAD auf Kundenseite: Das Planungsbüro arbeitet mit einer AutoCAD-basierten Landschaftsplanungssoftware, die keine Civil-3D-Objekte darstellt. Die Übergabe muss als reine DWG funktionieren.
Vermesserin mit GNSS-Empfänger im Bachlauf unterhalb einer Holzbrücke und eines Wassersturzes
Wasser und Brücken: Unter den Brücken hilft nur die Messung vor Ort.

Die Lösung

Geräte-Mix statt Einzelverfahren

Statt ein Verfahren zu erzwingen, haben wir für jeden Bereich des Parks das passende kombiniert und alles über ein gemeinsames Festpunktnetz verbunden.

  • Festpunktnetz mit GNSS und Tachymetrie: Lage- und Höhenfestpunkte auf vorhandenen Abmarkungen wie Schiebern und Kanaldeckeln, bestimmt mit RTK-GNSS (Emlid) und Tachymeter, dazu ein Koordinaten- und Höhenverzeichnis als CSV. Das Netz erlaubt dem Nachnutzer eigene Höhenbestimmungen.
  • Mobile Mapping unter dem Kronendach: NavVis VLX für Wege, Schlossumfeld, Alpinum, Alte Gärtnerei, Bachläufe und Brücken. Zu Fuß erfasst und an das Festpunktnetz angeschlossen, damit die absolute Lage auch dort stimmt, wo GNSS allein versagt.
  • Drohne für Dächer und offene Flächen: photogrammetrische Befliegung mit der DJI Matrice 4 Enterprise für Dachflächen, Gebäudeumrisse und die großen Wiesen. Die Drohnendaten ergänzen das Geländemodell dort, wo der Boden von oben frei einsehbar ist.
  • Mehrere Einsätze: Erfassung in mehreren Einsätzen 2025 und 2026, darunter einem Einsatz in der laubfreien Zeit. So wurden überwachsene Elemente, Uferfassungen und Balustraden nachgezogen, die im Sommer nicht sichtbar waren.
Vermessung mit RTK-GNSS im Bachlauf und im Teich des Schlossparks
Wo es nötig ist, auch im Wasser: Messung der Bachprofile und Uferbereiche.

Auswertung

Das Geländemodell entstand in Pix4D, mit einem 1-m-Raster im Park und 0,5-m-Höhenlinien auf den Wiesenflächen, damit die historischen Bodenmodellierungen im Plan lesbar werden. Gezeichnet wurde in Civil 3D. Übergeben haben wir eine reine 3D-DWG ohne proprietäre Objekte, damit sie im Fach-CAD des Planungsbüros ohne Umweg funktioniert.

Detailplan Schlossumfeld im Maßstab 1:250 mit Treppen, Terrassen, Balustraden, Brunnenbecken und Einzelbäumen
Detailplan Schlossumfeld 1:250: Treppen, Terrassen, Balustraden, Brunnenbecken und Einzelbäume.

Vorteile für den Auftraggeber

  • Kartieren statt selbst messen: Die Planer kartieren Bestand und Maßnahmen direkt auf einem lagerichtigen Plan statt auf dem Luftbild.
  • Bodenmodellierungen sichtbar: Im 0,5-m-Höhenlinienbild sind die historischen Modellierungen erkennbar und können gezielt untersucht werden.
  • Massen direkt ableitbar: Mengen für Wiederherstellungsarbeiten lassen sich aus dem geländemodelltauglichen 3D-Modell ableiten.
  • Nachmessen jederzeit möglich: Alle Höhen sind georeferenziert, über das Festpunktnetz kann der Nachnutzer selbst nachmessen.
Ansicht eines historischen Brunnens im Maßstab 1:50 mit Bemaßung, aus der Punktwolke abgeleitet
Denkmal-Brunnen in Ansicht 1:50, aus der Punktwolke abgeleitet und bemaßt.

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Ergebnis: Eine Bestandsgrundlage, auf der das Parkpflegewerk aufbaut

Geliefert haben wir:

  • einen Gesamt-Bestandsplan als 3D-DWG, georeferenziert und mit eingebundenem Liegenschaftskataster,
  • 11 Planblätter in 1:500 und 1:250 (Norden, Nordosten, Nordwesten, Süden, Schloss, Alte Gärtnerei, Alpinum, Säulenrondell, Brunnenumfeld) und den Brunnen in 1:50,
  • ein digitales Geländemodell als DWG und vier Höhenlinienpläne (1 m und 0,5 m),
  • 17 Geländeschnitte und zwei Bachprofil-Pläne entlang der Fließgewässer,
  • ein Koordinaten- und Höhenverzeichnis der Festpunkte als CSV.

Das Ergebnis: Aus einem historischen Plan und einer Skizze auf dem Luftbild ist eine zusammenhängende, lagerichtige 3D-Grundlage geworden, mit der die Planer Bestand, Maßnahmen und Massen direkt bearbeiten können.

Einblicke in die Lieferung

Ausschnitt aus dem digitalen Geländemodell mit Höhenlinien im 1-m- und 0,5-m-Abstand
Geländemodell, Ausschnitt: Höhenlinien im 1-m-Abstand, in den umrandeten Wiesenflächen im 0,5-m-Abstand. So werden die feinen historischen Bodenmodellierungen lesbar.
Bestandsplan 1:500, Ausschnitt Nordosten, mit Bachläufen, Brücken, Einzelbäumen und markierten Schnittlagen
Bestandsplan 1:500, Ausschnitt Nordosten: Bachläufe mit Uferlinien, Brücken, Einzelbäume und Gehölzflächen. Die Lage der 17 Geländeschnitte ist im Plan markiert.
Detailplan 1:250 der Alten Gärtnerei mit Gewächshäusern, Mauern und Wegen
Detailplan 1:250, Alte Gärtnerei: Gewächshäuser, Erdgewächshäuser, Mauern und Wege, als Grundlage für die Bewertung der historischen Substanz.
Höhenlinienplan eines historischen Schlossparks als ganzes Planblatt
Höhenlinienplan, ganzes Planblatt: Das Geländemodell entsteht aus Mobile-Mapping- und Drohnendaten und wird als 3D-DWG und als Planserie geliefert.
Geländeschnitt an einer Holzbrücke mit Gelände, Brückenkörper, Geländer und Bachbett mit Wasserspiegel
Geländeschnitt an einer Holzbrücke über den Bachlauf: Gelände, Brückenkörper, Geländer und Bachbett mit Wasserspiegel.

Was wir mitnehmen

  • Gartendenkmalpflege braucht die gemeinsame Begehung mit den Planern vor der Zeichnung.
  • Von Bewuchs verdeckte Bauteile gehören in eine laubfreie Kampagne, von Anfang an eingeplant.
  • Die Übergabe immer als reine DWG testen, bevor sie beim Kunden im Fach-CAD landet.

Projektdaten

MerkmalAngabe
AuftraggeberLandesbetrieb in Hessen; Nutzer der Daten: das mit dem Parkpflegewerk beauftragte Landschaftsarchitekturbüro
ObjektHistorischer Schlosspark des 19. Jahrhunderts, rund 29 ha, großteils bewaldet, mit Teichen, zwei Fließgewässern, Wehren und Brücken
AnlassParkpflegewerk und Planung von Wiederherstellungsmaßnahmen inklusive Massenermittlung
ErfassungMehrere Kampagnen 2025 und 2026, darunter eine in der laubfreien Zeit
TechnikRTK-GNSS (Emlid) und Tachymeter, NavVis MLX und VLX, Drohne DJI Matrice 4 Enterprise
AuswertungGeländemodell in Pix4D, Zeichnung in Civil 3D, Übergabe als reine 3D-DWG
LieferungGesamt-Bestandsplan als 3D-DWG, 11 Planblätter 1:500 und 1:250, Brunnen 1:50, digitales Geländemodell mit vier Höhenlinienplänen, 17 Geländeschnitte, zwei Bachprofil-Pläne, Festpunktverzeichnis als CSV, alles auch als PDF

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