NavVis CLX im Praxiseinsatz: Der neue Handscanner für die tägliche Bestandsdokumentation
Handgeführtes Laserscanning mit dem NavVis CLX: Wie zwei LiDAR-Sensoren und Live-Feedback auf dem Display unvollständige Aufnahmen verhindern, und wo die Grenzen des Geräts liegen.
Architekten, Ingenieure und Bestandshalter brauchen eine verlässliche Datengrundlage, bevor ein Projekt beginnt. Bei Metrika360 wählen wir dafür je Aufgabe das passende Aufnahmeverfahren aus. Mit dem NavVis CLX kommt ein Gerät hinzu, das genau für den Alltag gebaut ist: für wiederkehrende, schnelle Bestandsdokumentation.
Als NavVis Ambassador konnten wir den CLX vor der Markteinführung testen. Ein Datenblatt allein beweist allerdings noch nichts. In diesem Beitrag beschreiben wir, was das Gerät kann, für welche Aufgaben wir es einsetzen und wann weiterhin ein terrestrischer Scanner die bessere Wahl bleibt.

1. Technologie im Fokus: Zwei LiDAR-Sensoren und Live-Feedback
Der NavVis CLX ist ein handgeführter Laserscanner. Er erfasst Punktwolken und Panoramabilder im Gehen, und die Punktwolke entsteht per SLAM (Simultaneous Localization and Mapping). Drei Komponenten machen das System aus:
- Dual-LiDAR: Zwei Lasersensoren erfassen die Umgebung mit jeweils 200.000 Punkten pro Sekunde. Die Reichweite liegt bei bis zu 30 m, und die Sensoren sind augensicher (Laserklasse 1).
- Drei Kameras: Drei 12-MP-Kameras mit Fisheye-Objektiv liefern Panoramen in 360° und 270°. Die 270°-Panoramen werden über die eingefärbte Punktwolke zu vollständigen 360°-Ansichten ergänzt.
- Integriertes Display: Auf dem 4-Zoll-Touchscreen sieht der Vermesser in 2D und 3D, welche Bereiche bereits erfasst sind.
Das Ergebnis: Vollständigkeit wird schon während der Aufnahme geprüft und nicht erst bei der Auswertung.

Technische Daten im Überblick
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| LiDAR | 2 Sensoren, je 200.000 Punkte/s, Laserklasse 1 |
| Reichweite | Bis 30 m |
| Genauigkeit laut Hersteller | 8 mm im Testumfeld von 100 m² (1 Sigma) |
| Auflösung | 5 mm bei höchster Prozessierungsstufe |
| Kameras | 3 × 12 MP, Panoramen in 360° und 270° |
| Gewicht | 1,8 kg inkl. Akku und Display |
| Maße | 30 × 16 × 15 cm |
| Laufzeit | 1 Stunde je Akku, Wechsel im Betrieb über USB-C |
| Passpunkte | Über den abnehmbaren Stab, für Boden- und Wandpunkte |
| Ausgabeformate | E57, PLY, LAS, PTS, XYZ; Bilder als JPEG und TIFF |
| Schutzart | IP54, Betrieb von −10 °C bis 40 °C |
Quelle: NavVis Produktdatenblatt CLX, Version 1.0, September 2026.
2. Wie genau ist der NavVis CLX?
Der Hersteller gibt 8 mm an. Dieser Wert wurde in einem Testumfeld von 100 m² in einem Wohngebäude ermittelt, mit vollständig gestütztem SLAM und als 1 Sigma. Das ist eine saubere Laborangabe, aber keine Zusage für jedes reale Gebäude. Laut Datenblatt hängt die absolute Genauigkeit von der Umgebung ab.
Wer über mehrere Geschosse läuft, durch enge Flure geht und wenige Kontrollpunkte setzt, sollte eher im Zentimeterbereich planen. Das spricht nicht gegen das Gerät, denn es gilt für jedes SLAM-System.
Entscheidend ist deshalb die Toleranz der jeweiligen Aufgabe. Für Grundrisse, Flächenaufnahmen, Raumbücher reicht die Genauigkeit aus. Für Anschlussdetails, enge Einbausituationen oder ein verformungsgerechtes Aufmaß bleibt der terrestrische Scanner die richtige Wahl. Diese Frage klären wir vor der Anfahrt, nicht danach.

3. Wo der CLX die Lücke in unserem Geräteportfolio schließt
Wir arbeiten nicht mit einem einzigen Gerät, sondern mit mehreren, und wählen je Aufgabe aus. Der CLX besetzt dabei eine Position, die bisher offen war. Er ist schnell einsatzbereit und leicht genug für enge, verwinkelte Bereiche. Trotzdem liefert er eine Datenqualität, aus der sich Pläne ableiten lassen.
| Gerät | Typischer Einsatz |
|---|---|
| Faro Focus (terrestrisch) | Detail- und Anschlussplanung, Denkmal, Tragwerk, Sub-Zentimeterbereich |
| NavVis VLX | Große zusammenhängende Flächen, Portfolioaufnahmen, Aufnahme im laufenden Betrieb |
| NavVis MLX und CLX | Schnelle Begehungen, Dach- und Technikräume, Nachdokumentation einzelner Bereiche |
| DJI Matrice (Drohne) | Dachflächen, Fassaden, Außenanlagen und Gelände |
| Emlid (GNSS) | Passpunkte und Georeferenzierung |
„Der CLX schließt für uns eine Lücke im Geräteportfolio. Er ist so schnell einsatzbereit, dass er sich auch dort lohnt, wo der Aufbau eines größeren Systems zu viel Zeit kostet, und liefert trotzdem Daten, aus denen wir Pläne und Modelle geringeren LODs ableiten.“
Tim Schrievers, Vorstand Metrika360
4. Einsatzbereiche in der Praxis
Der CLX ist für Aufgaben gebaut, die sich oft wiederholen und bei denen die Menge zählt: Bestandsdokumentation ganzer Liegenschaften, Flächenaufnahmen, Begehungen zur Bestandsprüfung und Scan-to-BIM in LOD 200.
4.1 Dach- und Technikräume, enge Zugänge
Mit 1,8 kg, dem optionalen Gurtsystem und freihändiger Bedienung erreicht der Vermesser auch Bereiche, in denen ein größeres System umständlich wird. Der abnehmbare 26-cm-Stab verlängert die Reichweite, zum Beispiel über Kopf oder in Nischen.
4.2 Zwei Details, die im Alltag zählen
Zwei praktische Punkte fallen im Alltag stärker ins Gewicht, als es das Datenblatt vermuten lässt:
- Akkuwechsel im laufenden Betrieb: Über eine Powerbank per USB-C lässt sich der Akku tauschen, ohne dass die Aufnahme abbricht.
- Automatische Anonymisierung: Bei der Prozessierung werden Personen und Kennzeichen automatisch erkannt und unkenntlich gemacht. In bewohnten oder genutzten Gebäuden spart das viel manuelle Nacharbeit.

5. Wann ist der CLX nicht das richtige Gerät?
Immer dann, wenn die Aufgabe Millimeter verlangt und nicht Zentimeter. Konkret betrifft das Anschlussplanung im Bestand, die Prüfung von Einbausituationen mit knappen Toleranzen, verformungsgerechte Aufmaße und Tragwerke, die einzeln modelliert werden. Dafür setzen wir den terrestrischen Scanner ein, bei Bedarf ergänzt um Tachymeter und Festpunktfeld. Für große Außenflächen bleibt die Drohne das effizientere Werkzeug.
Wir sprechen diese Trennlinie offen an, weil sie Projekte rettet. Ein Aufmaß mit dem falschen Verfahren fällt oft erst in der Ausführung auf, und dann kostet es deutlich mehr als der Aufnahmetag.
6. Wie wir an das Gerät gekommen sind
Metrika360 ist NavVis Ambassador und im Partnerverzeichnis von NavVis gelistet. In dieser Rolle durften wir den CLX vor der Markteinführung testen. Unser Vorstand Tim Schrievers hat das Gerät im Rahmen des Early Access begutachtet und dazu ein Interview mit NavVis geführt, das in Kürze erscheint.

7. Fazit: Mehrwert für Ihr Projekt
Der NavVis CLX ist kein Ersatz für den terrestrischen Scanner, sondern eine gezielte Ergänzung. Für wiederkehrende Aufnahmen mit Zentimeter-Anspruch ist er schnell, leicht und zuverlässig.
Für Sie als Auftraggeber ergeben sich daraus konkrete Vorteile:
- Planungssicherheit: Das Live-Feedback vor Ort reduziert Lücken in der Aufnahme und damit Nachtermine.
- Wirtschaftlichkeit: Das Gerät ist schnell einsatzbereit und kommt ohne großen Aufbau aus. Das spart Zeit vor Ort, gerade bei kleineren oder schwer zugänglichen Bereichen.
- Das passende Verfahren: Wir wählen das Gerät nach der Toleranz Ihrer Aufgabe, nicht umgekehrt.
Sie planen eine Bestandsaufnahme?
Nennen Sie uns Objekt, Fläche und Ziel der Daten. Sie erhalten eine Einschätzung zu Verfahren, Genauigkeit und Terminrahmen, bevor jemand anfährt.
Häufig gestellte Fragen zum NavVis CLX
Was ist der NavVis CLX?
Der NavVis CLX ist ein handgeführter Laserscanner für die tägliche Bestandsdokumentation. Er kombiniert zwei LiDAR-Sensoren mit drei Kameras für Panoramabilder und einem Touchdisplay, das die Aufnahme in Echtzeit in 2D und 3D anzeigt.
Wie genau ist der NavVis CLX?
Der Hersteller nennt 8 mm in einem Testumfeld von 100 m² (1 Sigma). In realen Gebäuden über mehrere Geschosse sollte man im Zentimeterbereich planen. Das reicht für Grundrisse, Flächenaufnahmen und BIM-Modelle in LOD 200.
Worin unterscheidet sich der CLX vom NavVis MLX?
Beide sind handgeführte Systeme für schnelle Begehungen. Der CLX ist auf wiederkehrende, hochfrequente Dokumentationsaufgaben ausgelegt, bei denen einfache Bedienung und Einarbeitung im Vordergrund stehen. Welches Gerät wir einsetzen, entscheiden wir je nach Objekt und Aufgabe.
Wie lange kann man mit dem CLX am Stück scannen?
Ein Akku reicht für etwa eine Stunde. Da sich der Akku über eine Powerbank per USB-C im laufenden Betrieb tauschen lässt, muss die Aufnahme dafür nicht unterbrochen werden.
Kann der CLX auch bei Kälte eingesetzt werden?
Der reguläre Betriebsbereich liegt zwischen −10 °C und 40 °C. Unter 0 °C ist der Einsatz laut Hersteller nach einer 20-minütigen Aufwärmphase für maximal 20 Minuten bei Windstille möglich.
Welche Datenformate liefert der CLX?
Punktwolken als E57, PLY, LAS, PTS oder XYZ, Bilder als JPEG oder TIFF. Damit lassen sich die Daten in die gängige CAD- und BIM-Software übernehmen.