Bestandsaufnahme und DGNB-Audit aus einer Hand: warum die Schnittstelle das teuerste Bauteil ist

Paul Wolf · 3 Min. Lesezeit

Wer ein Bestandsgebäude DGNB-zertifizieren lässt, beauftragt üblicherweise zwei Welten. Die eine erfasst: Laserscanning, Punktwolke, Pläne, Raumbuch. Die andere weist nach: Kriterien, Bilanzen, Dokumentation für die Zertifizierungsstelle. Zwischen beiden liegt eine Schnittstelle, und an ihr entsteht der teuerste, unsichtbarste Posten des Projekts.

Was an der Schnittstelle verloren geht

Der Auditor braucht Flächenbilanzen nach DIN 277, belastbare Raumdaten und am Ende eine As-Built-Dokumentation, die den tatsächlich gebauten Zustand belegt. Der Erfasser liefert, was beauftragt wurde, und das ist selten deckungsgleich: Flächen nach der falschen Bezugsgröße, ein Raumbuch ohne die Attribute, die der Nachweis braucht, ein Modell, das den Planungsstand zeigt statt den gebauten.

Dann wird angefordert, konvertiert, nachgearbeitet, und jede Runde kostet Wochen, die im Zertifizierungszeitplan niemand eingeplant hat.

Was sich ändert, wenn beides aus einem Haus kommt

Metrika360 erfasst Bestandsgebäude und begleitet DGNB-Zertifizierungen mit eigenem Auditor. Der Unterschied ist kein Marketing-Satz, sondern ein Datenfluss: Die Erfassung wird von Anfang an auf die Nachweislogik zugeschnitten. Drei Beispiele.

Die Flächenbilanz steht auf denselben DIN-277-Polygonen wie das Raumbuch, gerechnet aus der Aufnahme statt aus Altplänen, mit dokumentiertem Aufnahmedatum. Wie das entsteht, steht auf Flächenermittlung.

Die laufende Baudokumentation zahlt direkt auf das Kriterium ECO2.7 im System Gebäude Neubau (Version 2023) ein, das die vollständige As-Built-Dokumentation zum Projektabschluss honoriert. Wer den Bauverlauf ohnehin bauteilgenau dokumentiert, sammelt diesen Nachweis nebenbei statt nachträglich: Baufortschrittsdokumentation und As-Built-Vergleich liefern ihn als Nebenprodukt der Bauüberwachung.

Studien für die Sanierungszertifizierung, etwa zur Besonnung oder zu Standortrisiken, entstehen aus derselben Geometrie, die die Aufnahme ohnehin geliefert hat, ohne dass ein Dritter das Modell nachbaut.

Was das für Bauherren bedeutet

Ein Vertrag statt zwei Gewerken, die koordiniert werden müssen. Kurze Wege statt Übergabeschleifen. Und eine Dokumentation, in der Messung, Modell und Nachweis dieselbe Quelle haben, was im Audit die angenehmste Eigenschaft überhaupt ist: Es gibt nur eine Wahrheit.

Zur Einordnung, weil Präzision hier zum Thema gehört: Zertifiziert wird durch die DGNB. Der Auditor begleitet das Projekt, stellt die Konformität her und reicht ein. Genau deshalb ist die Qualität der Datengrundlage der Hebel, an dem sich Aufwand und Dauer entscheiden.

Weiterführend

Häufige Fragen

Braucht jede DGNB-Zertifizierung eine neue Bestandsaufnahme?

Nein. Vorhandene, belastbare Daten werden geprüft und übernommen. Erfasst wird, was fehlt oder nicht nachweisfähig ist, und genau diese Prüfung steht am Anfang.

Funktioniert das auch, wenn der Auditor schon gesetzt ist?

Ja. Dann liefern wir die Datengrundlage in den Formaten, die sein Nachweisprozess braucht. Die Abstimmung darüber gehört an den Projektanfang, nicht in die Schlussphase.

Wer zertifiziert am Ende?

Die DGNB. Der Auditor begleitet das Projekt, stellt die Konformität her und reicht die Unterlagen ein. Diese Trennung ist der Grund, warum die Qualität der Datengrundlage über Aufwand und Dauer entscheidet.

Ein Bestandsgebäude, das zertifiziert werden soll?

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