DIN 277: Grundflächen im Hochbau
Die DIN 277 legt fest, wie Grundflächen und Rauminhalte von Bauwerken ermittelt und gegliedert werden. Maßgeblich ist die Fassung von 2016. Sie ist die Grundlage jeder Flächenangabe in Bestandsplänen und Raumbüchern.
Wo die Flächen im Plan stehen
Die Grundflächen nach DIN 277 werden nicht geschätzt, sondern aus den Raumpolygonen gerechnet.
Die Flächenarten
- BGF – Brutto-Grundfläche. Die Summe aller Grundflächen aller Grundrissebenen, gemessen an den Außenkanten der Umschließung.
- KGF – Konstruktions-Grundfläche. Die Fläche, die Wände, Stützen und Schächte einnehmen.
- NRF – Netto-Raumfläche. BGF abzüglich KGF. Die Fassung 2016 führt sie als Hauptbegriff; ältere Unterlagen sprechen von NGF, gemeint ist dasselbe.
- NUF – Nutzungsfläche. Der Teil der NRF, der der Zweckbestimmung des Bauwerks dient.
- TF – Technikfläche. Flächen für betriebstechnische Anlagen.
- VF – Verkehrsfläche. Flure, Treppen, Aufzugsschächte.
Die Gliederung ist hierarchisch: BGF minus KGF ergibt NRF, und NRF teilt sich in NUF, TF und VF auf. Wer eine Flächenangabe prüft, rechnet zuerst diese Summe nach.
Wie die Nutzungsfläche gegliedert ist
Die NUF zerfällt in sieben Nutzungsarten. Diese Gliederung ist der Grund, warum die DIN 277 im Betrieb überhaupt gebraucht wird: Sie macht aus einer Quadratmeterzahl eine Aussage darüber, wofür die Fläche da ist.
- NUF 1 – Wohnen und Aufenthalt
- NUF 2 – Büroarbeit
- NUF 3 – Produktion, Hand- und Maschinenarbeit, Forschung
- NUF 4 – Lagern, Verteilen, Verkaufen
- NUF 5 – Bildung, Unterricht, Kultur
- NUF 6 – Heilen und Pflegen
- NUF 7 – Sonstige Nutzungen
Ein Flächenmanagement, das nur die Summe kennt, kann weder Reinigungsleistungen ausschreiben noch Betriebskosten verteilen. Es braucht die Zuordnung je Raum, und die entsteht bei der Aufnahme, nicht danach.
Der Rauminhalt gehört dazu
Die DIN 277 regelt nicht nur Flächen, sondern auch den Brutto-Rauminhalt (BRI): das Volumen, das die Brutto-Grundfläche über ihre Höhe einnimmt. Er wird gebraucht, wo nach Volumen gerechnet wird – bei Heizlast, Lüftung und in frühen Kostenschätzungen.
Wo die Flächen weiterverwendet werden
Die Zahlen bleiben selten in der Zeichnung. Sie laufen weiter in:
- Kostenermittlung nach DIN 276. Die Brutto-Grundfläche ist die übliche Bezugsgröße für Kennwerte je Quadratmeter.
- Betriebskostenabrechnung. Umlageschlüssel setzen auf definierten Flächen auf, nicht auf geschätzten.
- CAFM und Flächenmanagement. Dort hängt die Fläche am Raumpolygon und wird über die Raumnummer mit dem Raumbuch verknüpft.
- Reinigungs- und Instandhaltungsverträge. Vergütet wird nach Fläche und Belagsart – beides Angaben aus derselben CAFM-Datenbasis.
Warum die Fassung zählt
Zwischen den Fassungen haben sich Begriffe und Zuordnungen verschoben. Der auffälligste Wechsel ist die Umbenennung der Nettogrundfläche in Netto-Raumfläche. Eine Flächenangabe ohne Nennung der Fassung ist deshalb unvollständig – in Ausschreibungen und Mietverträgen ist sie angreifbar. Wir weisen die Fassung in jeder Lieferung aus.
International entspricht der DIN 277 die DIN EN ISO 9836. Die Begriffe sind nicht deckungsgleich; wer für einen ausländischen Eigentümer berichtet, sollte vorher festlegen, welche der beiden gilt.
Woran Flächenangaben in der Praxis scheitern
Drei Fehler wiederholen sich, und alle drei fallen erst auf, wenn Geld daran hängt.
- Aus dem Altplan abgemessen. Der Plan zeigt den geplanten Zustand. Was seither umgebaut wurde, steht nicht darin.
- Fassung nicht genannt. Zwei Angaben zum selben Gebäude lassen sich dann nicht vergleichen, und keine von beiden lässt sich verteidigen.
- NGF und NRF vermischt. Dieselbe Fläche unter zwei Namen, in einer Tabelle nebeneinander – der klassische Weg zu einer Summe, die nicht aufgeht.
Das Gegenmittel ist unspektakulär: die Fläche aus einer Aufnahme des heutigen Zustands rechnen, die Fassung dazuschreiben, und die Raumnummer als Schlüssel mitführen.
Verwandte Begriffe
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen BGF und NRF?
Die Brutto-Grundfläche misst an den Außenkanten und enthält die Konstruktion. Die Netto-Raumfläche ist die BGF abzüglich der Konstruktions-Grundfläche – also das, was innerhalb der Wände übrig bleibt.
Heißt es NGF oder NRF?
Beides meint dieselbe Fläche. Die Fassung 2016 der DIN 277 führt NRF als Hauptbegriff, ältere Unterlagen sprechen von NGF.
Ist die DIN 277 für Wohnflächen anwendbar?
Nein. Für Wohnflächen gilt die Wohnflächenverordnung, die Balkone und Dachschrägen anders behandelt. Die DIN 277 beschreibt Grundflächen im Hochbau allgemein.
Wofür braucht man die Unterteilung in NUF, TF und VF?
Um Flächen einer Nutzung zuzuordnen. Erst dadurch lassen sich Betriebskosten verteilen, Reinigungsleistungen ausschreiben und Flächen zwischen Objekten vergleichen. Die reine Summe der Netto-Raumfläche leistet das nicht.
Was ist der Brutto-Rauminhalt?
Das Volumen über der Brutto-Grundfläche. Er steht ebenfalls in der DIN 277 und wird gebraucht, wo nach Volumen gerechnet wird – etwa bei Heizlast, Lüftung und frühen Kostenschätzungen.
Reicht es, die Flächen aus den vorhandenen Plänen zu nehmen?
Nur wenn die Pläne den heutigen Zustand zeigen. In Bestandsgebäuden ist das die Ausnahme. Wer aus einem Altplan misst, überträgt dessen Fehler in jede Abrechnung, die darauf aufsetzt.