Bestandsdatenerfassung: importfertige Daten für Ihr CAFM-System
„Bestandsdatenerfassung“ ist der Begriff, unter dem diese Leistung ausgeschrieben wird. Gemeint ist die vollständige Aufnahme eines Gebäudes und die Aufbereitung der Daten so, dass sie ohne Nacharbeit in ein Facility-Management-System eingespielt werden können.
Der Lieferumfang, an einem Beispiel
Grundrisse, Schnitte und Ansichten aus einer Aufnahme. Was in einer Ausschreibung als Bestandsdatenerfassung steht, sieht am Ende so aus: ein Plansatz, aus dem sich Massen, Flächen und Bauteile ablesen lassen.

Was Sie bekommen
- Importfertige 2D-Bestandspläne im DWG-Format je Geschoss, aufbereitet nach Ihrer CAD-Richtlinie – Layerstruktur, Plankopf, Maßstab in der Regel 1:100
- Raumpolygone als geschlossene Flächen sowie Geschoss- und Brutto-Grundflächen nach DIN 277
- Raumstempel je Raum mit Raumnummer, Bezeichnung und Nettogrundfläche, BGF-Stempel je Geschoss
- Raumbuch als strukturierte Excel-Liste
- Herstellerneutrale Übergabe, auf Wunsch mit Musterzeichnung und Testimport in Ihr Zielsystem
Kurz gefasst: CAFM-konforme Bestandspläne und ein Raumbuch nach DIN 277, importfertig für Ihr System.
Der Ablauf in sechs Schritten
- Registrierung und Punktwolke – georeferenzierte Gesamtpunktwolke, Reinigung, Qualitätskontrolle im Vier-Augen-Prinzip.
- Modellbasierte Aufbereitung – Rekonstruktion von Wänden, Öffnungen und Einbauten aus der Punktwolke.
- 2D-Planableitung – normgerechte Grundrisse je Geschoss.
- CAFM-Aufbereitung – Layer- und Zeichnungsstruktur, Raum- und Flächenpolygone, Raum- und BGF-Stempel nach Ihrer Richtlinie.
- Alphanumerik – Raumbuch-Attribute nach Ihrem Datenmodell.
- Qualitätssicherung und Übergabe – mehrstufige Prüfung, Testimport, importfertige Lieferung als DWG, PDF und Listen.
Wie erfasst wird
Innenräume nehmen wir mit Mobile Mapping auf: ein Wearable-Laserscanner, mit dem großflächig im Gehen erfasst wird. Das Ergebnis ist maßhaltig und braucht einen Termin je Gebäude. Die Gebäudehülle und Detailbereiche erfassen wir terrestrisch vom Stativ – dort arbeiten wir millimetergenau. Der Lagebezug entsteht über ein GNSS-Kontrollnetz in ETRS89/DHHN16 und ist damit amtsfähig. Für Dach- und Außenflächen kommt bei Bedarf Drohnen-Photogrammetrie hinzu.
Die laserscanbasierte Erfassung der Gebäudehülle ist eine anerkannt gleichwertige Alternative zur klassischen tachymetrischen Vermessung.
Wie lange sind wir bei Ihnen vor Ort?
Die Aufnahme selbst dauert so lange, wie Fläche und Gebäudetyp es vorgeben. Der Rechner nutzt dafür ausschließlich Durchsatzwerte, die wir veröffentlicht haben.
1 bis 2 Aufnahmetage
5.000 m² geteilt durch 3.000 bis 6.000 m² je Tag
Gerechnet ist die Aufnahme vor Ort. Anfahrt, Einrichtung und die Auswertung im Büro kommen hinzu; wie viel, hängt vom Projekt ab und steht im Angebot.
Was hinter dem Ausschreibungsbegriff steckt
„Bestandsdatenerfassung“ steht in Leistungsverzeichnissen als eine Zeile. Dahinter liegen Aufnahme, Registrierung, Auswertung und Zeichnung — vier Schritte, von denen nur der erste vor Ort stattfindet.
Die Abbildung zeigt ein Geschoss als Drahtmodell, also den Zustand zwischen Messung und fertiger Zeichnung. Wer hier abkürzt, bezahlt es in der Planung.

Normen und Begriffe aus der Ausschreibung
- DIN 277 (Fassung 2016) – Grundflächen: BGF, KGF, NRF beziehungsweise NGF, NUF, TF und VF.
- DIN 276 – Kostengruppen; KG 400 sind die technischen Anlagen.
- Wohnflächenverordnung – Wohnflächen bei Wohnimmobilien.
- MF-GIF – Mietflächen im gewerblichen Bereich.
- DIN EN ISO 9836 – internationale Entsprechung zur DIN 277.
Was vor der Aufnahme geklärt sein muss
Der Aufwand einer Bestandsdatenerfassung entsteht nicht vor Ort, sondern in der Auswertung – und was ausgewertet wird, entscheidet sich vorher. Fünf Fragen bestimmen den Umfang.
- Welches Zielsystem? Sein Datenmodell bestimmt, welche Felder gefüllt werden und in welchen Wertebereichen.
- Welche Raumnummerierung gilt? In gewachsenen Beständen existieren mehrere nebeneinander. Die Entscheidung trifft der Auftraggeber, nicht der Aufnehmende.
- Welche Flächen werden gebraucht? Grundflächen nach DIN 277, Wohnflächen nach Verordnung, Mietflächen nach MF-GIF – oder mehrere davon.
- Welche CAD-Richtlinie? Layerstruktur, Plankopf, Maßstab. Ohne Vorgabe liefern wir nach unserem Standard, und der passt dann vielleicht nicht in Ihre Ablage.
- Welche Attribute je Raum? Die Tiefe des Raumbuchs bestimmt, wie lange jemand in jedem Raum steht.
Wer diese fünf Punkte vor der Ausschreibung beantwortet, bekommt vergleichbare Angebote. Wer sie offen lässt, bekommt Preise, die sich um ein Vielfaches unterscheiden, weil jeder Anbieter etwas anderes annimmt.
Warum die Prüfung zum Leistungsumfang gehört
Eine Bestandsdatenerfassung ist erst fertig, wenn die Daten im Zielsystem angekommen sind. Bis dahin ist sie eine Lieferung, von der niemand weiß, ob sie funktioniert.
Deshalb steht vor der Übergabe eine mehrstufige Prüfung: Die abgeleitete Geometrie wird gegen die Punktwolke gestellt, die Flächensummen werden nachgerechnet, und die Attributlisten werden gegen das Datenmodell des Zielsystems geprüft. Auf Wunsch führen wir einen Testimport mit einem Objekt durch, bevor der volle Bestand läuft.
Der Grund ist einfache Arithmetik: Ein Fehler an einem Objekt ist eine Korrektur. Derselbe Fehler über vierzig Objekte ist ein zweites Projekt.
Bei mehreren Objekten entscheidet die Struktur
Bei einem einzelnen Gebäude ist die Aufnahme die Arbeit. Bei einem Portfolio ist es die Einheitlichkeit.
Struktur, Layer, Raumnummernsystematik und Attributumfang werden einmal festgelegt und auf jedes Objekt angewandt. Erst dadurch entsteht aus einer Sammlung von Plänen ein Bestand, in dem sich Flächen zwischen Objekten vergleichen, Kennzahlen bilden und Leistungen ausschreiben lassen.
Die Reihenfolge lohnt sich: erst ein Objekt vollständig durch den ganzen Weg bis in das Zielsystem, dann die übrigen. Was am ersten Objekt auffällt, hätte sonst vierzigmal korrigiert werden müssen.
Weiterführend
- Raumbuch – die alphanumerische Hälfte der Lieferung im Detail
- CAFM-Datenbasis – die Pillar zum Gebäudebetrieb
- 3D-Laserscanning – terrestrische Erfassung von Hülle und Detail
- Digitale Bestandspläne – die abgeleiteten Zeichnungen
- Drohnenvermessung – Dach- und Außenflächen
- Scan-to-BIM – wenn ein BIM-Bestandsmodell hinzukommt
Häufige Fragen zur Bestandsdatenerfassung
Was ist Bestandsdatenerfassung?
Die vollständige Aufnahme eines bestehenden Gebäudes und die Aufbereitung der Geometrie- und Sachdaten so, dass sie ohne Nacharbeit in ein CAFM-System eingespielt werden können. Ergebnis sind 2D-Bestandspläne, Raumpolygone, Flächen nach DIN 277 und ein Raumbuch.
Worin unterscheidet sich Bestandsdatenerfassung von Gebäudedatenerfassung?
In der Sache nicht. „Bestandsdatenerfassung“ ist der Begriff, der in Ausschreibungen und Leistungsverzeichnissen steht, „Gebäudedatenerfassung“ wird gleichbedeutend verwendet.
Muss der Betrieb während der Aufnahme ruhen?
Nein. Mobile Mapping wird im Gehen eingesetzt und kommt ohne Absperrungen aus. In der Regel genügt ein Termin je Gebäude.
In welchen Formaten wird geliefert?
DWG für die Zeichnungen, Excel für das Raumbuch, PDF für die Planausgabe. Alles herstellerneutral. Modelle zusätzlich als IFC, RVT, PLA/PLN oder 3D-DWG, die Punktwolke als E57.
Wird geprüft, ob der Import wirklich funktioniert?
Auf Wunsch liefern wir vorab eine Musterzeichnung und führen einen Testimport in das Zielsystem durch. So steht vor der Gesamtlieferung fest, dass Struktur und Attribute passen.