Georeferenzierung: warum die Aufnahme einen Lagebezug braucht

Georeferenzierung bindet eine Aufnahme in ein amtliches Koordinatensystem ein. Ohne sie liegt das Gebäude in einem eigenen, willkürlichen System – korrekt in sich, aber nicht zusammenführbar mit Katasterdaten, Nachbarbebauung oder anderen Aufnahmen.

Warum die Aufnahme einen Ort braucht

Ohne Lagebezug ist eine Aufnahme ein Gebäude im luftleeren Raum. Mit Lagebezug lässt sie sich mit Kataster, Nachbarbebauung und einer späteren Wiederholungsmessung zusammenlegen.

Vermessung im Gewaesser: knietief im Bach wird der GNSS-Empfaenger auf dem Lotstab ueber den Messpunkt gehalten.

Die Bezugssysteme

In Deutschland sind ETRS89 für die Lage und DHHN16 für die Höhe maßgeblich. Wir bauen dafür ein GNSS-Kontrollnetz mit Passpunkten auf und binden die Scans daran an. Das Ergebnis ist amtsfähig: Es passt zu Liegenschaftskarte, Bebauungsplan und amtlichen Höhendaten.

Wann Sie den Bezug brauchen

  • Wenn die Aufnahme mit Kataster- oder Planungsdaten zusammengeführt wird
  • Wenn mehrere Bauabschnitte oder Aufnahmezeitpunkte zusammenpassen müssen
  • Bei Genehmigungsverfahren und Nachweisen gegenüber Behörden
  • Bei Massenermittlungen und Geländemodellen, die gegen einen Vorzustand gerechnet werden

Für ein reines Innenraum-Aufmaß eines einzelnen Gebäudes ist der amtliche Bezug nicht zwingend. Sobald aber etwas außerhalb des Gebäudes dazukommt, wird er gebraucht – und nachträglich ist er teurer als von Anfang an.

Lage und Höhe sind zwei getrennte Fragen

Ein Lagebezug beantwortet, wo ein Punkt auf der Erdoberfläche liegt. Ein Höhenbezug beantwortet, wie hoch er liegt. Beide werden getrennt festgelegt und können getrennt fehlen.

Für die Lage wird in Deutschland ETRS89 verwendet, in der Praxis meist in UTM-Abbildung. Das Bundesgebiet liegt dabei in zwei Streifen, deren Grenze mitten durch Deutschland verläuft – bei Projekten nahe dieser Grenze gehört die verwendete Zone in die Vereinbarung, sonst liegen zwei Aufnahmen desselben Objekts rechnerisch weit auseinander.

Für die Höhe gilt DHHN16 mit Normalhöhennull als Bezug. Eine Höhenangabe ohne Nennung des Systems ist so unvollständig wie eine Flächenangabe ohne Norm.

Innere und äußere Genauigkeit

Diese Unterscheidung wird oft übersehen und erklärt die meisten Missverständnisse. Eine Aufnahme kann in sich millimetergenau sein und trotzdem als Ganzes um einige Zentimeter verschoben im amtlichen System liegen.

  • Innere Genauigkeit. Wie gut die Maße innerhalb der Aufnahme zueinander passen. Sie entscheidet darüber, ob ein vorgefertigtes Bauteil passt.
  • Äußere Genauigkeit. Wie gut die Aufnahme als Ganzes im amtlichen System sitzt. Sie entscheidet darüber, ob sie mit Katasterdaten und einem Geländemodell zusammenpasst.

Wer nur innen plant, braucht die erste. Wer an eine Grundstücksgrenze, eine Nachbarbebauung oder eine spätere Wiederholungsmessung anschließt, braucht beide. Beide Werte gehören ins Messprotokoll, getrennt ausgewiesen.

Wie der Bezug hergestellt wird

Vor oder während der Aufnahme werden Passpunkte im und um das Objekt bestimmt, deren Koordinaten über GNSS im amtlichen System gemessen werden. Die Scans werden anschließend an diese Punkte gerechnet. Die Punkte bleiben nach Möglichkeit dauerhaft markiert – dann lässt sich eine spätere Aufnahme ohne neues Netz an dieselbe Grundlage anschließen.

In Innenräumen ohne Satellitenempfang wird das Netz von außen nach innen weitergeführt – bei einer Aufnahme im Mobile Mapping ebenso wie beim stationären Scan. Das ist der Grund, warum Georeferenzierung Aufwand ist und nicht ein Häkchen in der Software.

Was in die Ausschreibung gehört

Drei Angaben genügen, um spätere Diskussionen zu vermeiden: das Lagesystem samt Zone, das Höhensystem, und die geforderte äußere Genauigkeit. Fehlt eine davon, liefert jeder Anbieter etwas anderes, und die Angebote sind nicht vergleichbar.

Häufige Fragen

Was bedeutet ETRS89?

Das Europäische Terrestrische Referenzsystem 1989 – das amtliche Lagebezugssystem in Deutschland. Koordinaten darin sind mit Kataster- und Planungsdaten zusammenführbar.

Braucht jede Aufnahme eine Georeferenzierung?

Nein. Für ein einzelnes Innenraum-Aufmaß genügt ein lokales System. Sobald Außenbezug, mehrere Zeitpunkte oder Behördenverfahren dazukommen, wird der amtliche Bezug gebraucht.

Kann man den Lagebezug nachträglich herstellen?

Möglich ja, wirtschaftlich selten. Es erfordert eine erneute Anfahrt und das Einmessen von Passpunkten. Von Anfang an mitgeplant kostet es einen Bruchteil.