LOD 200, 250 und 300: Detailgrade im Bestandsmodell

Der Level of Development (LOD) beschreibt, wie ausführlich und belastbar ein Bauteil im BIM-Modell abgebildet ist. In der Bestandsmodellierung sind drei Stufen üblich: LOD 200, 250 und 300. Die Stufe entscheidet über den Aufwand der Modellierung und darüber, wofür das Modell taugt, und sie gehört deshalb in jede Ausschreibung, je Gewerk statt pauschal.

Derselbe Bereich, zwei Detailgrade

Links das Teilmodell allein, rechts dasselbe über der Punktwolke, aus der es entstand. Woran eine Stufe sichtbar wird, ist nicht die Zahl im Leistungsverzeichnis, sondern was im Modell steht und was fehlt: Dieselbe Wand ist in 200 ein Quader mit Öffnung, in 300 ein Bauteil mit belegter Dicke, Material und detailliertem Rahmen.

Woher der Begriff kommt, und was er genau meint

Das LOD-System stammt aus der amerikanischen BIM-Praxis und stuft in Hunderterschritten von 100 bis 500, mit etablierten Zwischenstufen. Wichtig ist die Unterscheidung, die im Sprachgebrauch oft verloren geht: Level of Development meint, wie verlässlich Geometrie und Information eines Bauteils sind, nicht nur, wie fein es aussieht (Level of Detail). Ein hochdetailliert aussehendes Bauteil aus einer Herstellerbibliothek kann einen niedrigen Entwicklungsgrad haben, wenn niemand seine Maße am Objekt belegt hat.

Für Bestandsmodelle hat sich die Dreierreihe 200, 250 und 300 durchgesetzt. Die 250 ist dabei keine offizielle Stufe des amerikanischen Systems, sondern eine Praxisstufe der Bestandsmodellierung: der wirtschaftliche Mittelweg, der bei großen Beständen am häufigsten bestellt wird. Die europäische Normung denkt inzwischen einen Schritt weiter und definiert den Informationsbedarf vom Verwendungszweck her (Level of Information Need); im Alltag von Ausschreibung und Angebot bleibt die LOD-Stufe trotzdem die gemeinsame Kurzsprache.

Die drei Stufen konkret

GeometrieWas typischerweise enthalten istWofür es reicht
LOD 200Generische Körper mit ungefährer Größe, Form und LageWände, Decken, Dach, Öffnungen als Platzhalterbauteile. Topographie, Möbel und Technik in der Regel nicht enthaltenKubatur, Flächenermittlung, Machbarkeit, frühe Konzepte
LOD 250Genauere Maße und ProfileZusätzlich die technische Gebäudeausrüstung und Topographie modelliert, Möbel als grobe VolumenPlanungsgrundlage mit TGA-Bezug, Portfolio-Erfassung, CAFM-Anbindung
LOD 300Belegte, präzise Geometrie mit Materialien und DetailsDachstuhl mit Sparren, exakte Rohrsysteme, detaillierte Tür- und FensterrahmenAusführungs- und Detailplanung, Sanierung im Bestand

„LOD 300″ allein ist keine Bestellung

Die Stufe muss nicht für das ganze Gebäude gleich sein, und sie sollte es meistens auch nicht. Üblich und sinnvoll ist die Vereinbarung je Gewerk: Architektur und Tragwerk in 300, die Technik in 200 oder 250, oder umgekehrt bei einem reinen TGA-Projekt. Wer pauschal „alles in 300″ bestellt, bezahlt Detailtiefe an Stellen, an denen sie niemand nutzt; wer die Stufe gar nicht nennt, bekommt Angebote, die nicht vergleichbar sind, weil jeder Bieter etwas anderes kalkuliert.

Geometrie und Information sind zwei Achsen

Der Detailgrad wird oft als eine Zahl behandelt, ist aber zwei Fragen. Die eine: Wie genau ist das Bauteil geometrisch modelliert? Die andere: Welche Eigenschaften hängen daran? Eine Wand kann geometrisch grob und zugleich reich an Information sein (Schichtaufbau, Brandschutzklasse, Baujahr), oder exakt vermessen und ohne jede Eigenschaft. Für eine CAFM-Datenbasis ist meist die Informationsachse die wichtigere, für die Vorfertigung die geometrische.

Dazu kommt im Bestand die Herkunftsfrage: Die Geometrie stammt aus der Messung, viele Attribute aber aus Unterlagen oder Annahmen. In einem sauberen Bestandsmodell ist diese Herkunft je Information gekennzeichnet, gemessen, übernommen oder angenommen, denn ein Modell, in dem alles gleich sicher aussieht, ist gefährlicher als eines mit ehrlichen Lücken.

Was die Stufe im Aufwand bedeutet

Die Aufnahme vor Ort unterscheidet sich zwischen den Stufen kaum, gescannt wird, was da ist. Der Unterschied entsteht in der Auswertung, und er ist nicht linear: Zwischen einer groben Bestandsübersicht und einem Modell mit vermaßten Profilen und modellierter Technik liegt ein Vielfaches an Modellierarbeit, kein Aufschlag. Daraus folgt die praktische Regel: die Stufe an der tatsächlichen Verwendung ausrichten, nicht am Wunsch, für alles gerüstet zu sein. Und weil die Punktwolke archiviert bleibt, lässt sich eine höhere Stufe später nachbestellen, ohne dass jemand erneut anfährt.

Fertig ist, was sich gegen die Aufnahme halten lässt

Zur Stufe gehört die Prüfregel: Ein Bestandsmodell gilt als fertig, wenn es innerhalb der vereinbarten Toleranz zur Punktwolke liegt, und diese Toleranz ist je Detailgrad verschieden. Deshalb gehört in jede Vereinbarung neben der Stufe auch die zulässige Abweichung und das Prüfverfahren. Eine Grundsatzfrage entscheidet sich an derselben Stelle: Ob Wände lotrecht modelliert werden (begradigt, der Regelfall) oder so schief, wie sie sind (verformungsgerecht, der Fall für Denkmal und Tragwerksbewertung).

Was in das Leistungsverzeichnis gehört

  • Die Stufe je Gewerk oder Bauteilgruppe, nicht pauschal für das Gebäude
  • Die Liste der zu modellierenden Bauteile, denn was nicht darin steht, wird nicht modelliert
  • Die geforderten Attribute je Bauteil, mit Kennzeichnung der Herkunft
  • Das Lieferformat, herstellerneutral als IFC und zusätzlich nativ im Zielsystem
  • Die Prüfregel: gegen die Punktwolke, mit welcher zulässigen Abweichung

Fünf Zeilen, die den Unterschied machen zwischen einem vergleichbaren Angebot und einer Diskussion bei der Übergabe.

Genau diese fünf Zeilen müssen Sie nicht selbst schreiben. Unser Zeichnungs- und Modellierungsstandard definiert alle drei Stufen je Bauteilkategorie, die Toleranzen samt Prüfverfahren und die Lieferformate. Legen Sie ihn Ihrer Ausschreibung bei, dann bieten alle Anbieter auf denselben Umfang:

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Häufige Fragen

Was bedeutet LOD?

Level of Development, der Entwicklungsgrad eines Bauteils im BIM-Modell. Er beschreibt, wie belastbar Geometrie und Information sind, nicht nur, wie detailliert etwas aussieht.

Welcher Detailgrad ist für ein Bestandsmodell richtig?

Der, den die Verwendung verlangt: LOD 200 für Flächen, Kubatur und Machbarkeit, LOD 250 sobald die Technik eine Rolle spielt, LOD 300 für Ausführungs- und Detailplanung. Die Stufe darf und sollte je Gewerk verschieden sein.

Muss das ganze Gebäude denselben Detailgrad haben?

Nein. Üblich ist, Tragwerk und Hülle höher zu modellieren als den Ausbau, oder bei TGA-Projekten die Technik höher als die Architektur. Die Aufteilung gehört in die Vereinbarung.

Ist ein Bestandsmodell automatisch LOD 500?

Nein, das ist ein verbreitetes Missverständnis. Im amerikanischen System steht die 500 für die am Bauwerk verifizierte Darstellung, nicht für maximale Detailtiefe. Bestandsmodelle werden praktisch in den Stufen 200 bis 300 bestellt und gegen die Aufnahme geprüft; „so detailliert wie möglich“ ist keine Stufe, sondern ein Kostenrisiko.

Warum kostet eine höhere Stufe so viel mehr?

Weil der Mehraufwand in der Auswertung liegt und dort mit der Bauteilzahl skaliert: Jedes Profil, jeder Sparren, jedes Rohr wird einzeln an der Punktwolke nachgebaut. Die Aufnahme selbst kostet in allen Stufen ungefähr dasselbe, deshalb lohnt es sich, die Stufe präzise am Zweck festzumachen.

Unsicher, welche Stufe Ihr Projekt braucht?

Wir gehen die Bauteilgruppen mit Ihnen durch und sagen, wo eine höhere Stufe etwas bringt und wo sie nur kostet.

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